Vom „hässlichen Entlein“ zum „schönen Schwan“

Neues Buch zur Geschichte der Heuerhäuser erschienen

Heute kann man sie nur noch selten antreffen – und wenn, dann sind sie oftmals zu schmucken kleinen Anwesen umgebaut worden. Die Rede ist von Heuerhäusern, die bis in die 1960er Jahre überall in der Region zu finden waren. Wegen ihrer möglichst kostengünstigen Bauweise waren sie aber sehr anfällig für die Unbilden des Wetters und den Zahn der Zeit. Viele dieser „Kotten“ waren daher, wenn sie in die Jahre kamen, ein „Schandfleck“ für die Gemeinde. Deshalb kam es in den 1960er und 1970er Jahren zu flächenweiten Abrissaktionen. Für den Abbruch dieser „Arme-Leute-Häuser“ wurden sogar Prämien gezahlt, um sie möglichst schnell los zu werden. Doch nicht alle Heuerhäuser verschwanden damals. Einige haben überdauert und sind heute zu kaum noch wiederzuerkennenden Schmuckstücken umgebaut und restauriert worden.

Über dieses Phänomen ist nun ein neues Buch erschienen, das von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensing herausgegeben worden ist. Die beiden Autoren haben bereits 2014 ein Buch über die Geschichte der Heuerlinge in Nordwestdeutschland geschrieben, das sich in vielen Auflagen großer Beliebtheit erfreut hat. Nun stehen nicht die Heuerlinge selbst, sondern ihre Wohnungen und das Leben in diesen im Mittelpunkt der Betrachtung. „Prunkvolle Adelssitze oder standesstolze Bauernhäuser sind vielfach in Bildbänden porträtiert worden, nie aber die Behausungen der ländlichen Unterschicht im Raum zwischen niederländischer Grenze und Ostwestfalen-Lippe, so dass hier Neuland betreten wird“, skizzieren die Herausgeber ihr Konzept.

Neben Robben und Lensing haben auch weitere namhafte Autoren der nordwestdeutschen Regionalgeschichte an der Entstehung des Werkes mitgewirkt, etwa Christiane Cantauw, Volkskundlerin und Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen, Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emsland-Museums in Lingen, der Sprachwissenschaftler Timothy Sodmann (Landeskundliches Institut Westmünsterland) oder Dr. Heinrich Stiewe vom LWL-Freilichtmuseum in Detmold, um nur einige der insgesamt 17 Autoren aus dem Münsterland, aus Ostwestfalen und Lippe, dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Oldenburger Münsterland, Oldenburg und dem Kreis Diepholz und dem Tecklenburger Land zu nennen. Illustriert wurde das Buch von Georg Strodt, Künstler aus dem emsländischen Elbergen. Mittels über zahlreicher farbiger Fotos des Fotografen Martin Skibicki aus Langen wird der Umbauprozess von der ehemals einfachen Behausung der ländlichen Unterschicht zu traumhaften Landhäusern dokumentiert. Ergänzt wird der opulente Bildband zum Landleben mit vielen Ideen und Tipps zu Gestaltung von Haus und Hof. „Meist abseits vielbefahrener Wege haben kreative Menschen mit viel Liebe zum Detail eine Reihe dieser Kotten für die Gegenwart bewahrt und daraus jeweils ein ganz individuelles Traumhaus – für sich oder eine Gemeinschaft – geschaffen“, meint der Herausgeber Bernd Robben.

Der neue Bild- und Textband über die Heuerhäuser und ihre Geschichte mit dem Titel„Heuerhäuser im Wandel: Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ (332 Seiten, Hardcover) ist unter der ISBN 978-3-9818393-2-6 für 29,90 Euro im Buchhandel, im Internet oder bei der Studiengesellschaft für emsländische Regionalgeschichte (kontakt@emslandgeschichte.de) zu bestellen.

Von |2017-11-02T11:10:17+01:002. November 2017|Kategorien: Allgemein, Schrifttum|Kommentare deaktiviert für Vom „hässlichen Entlein“ zum „schönen Schwan“

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